Ein eigener Onlineshop, lohnt sich das?

Der Boom im Onlinehandel wirft bei vielen Handelsunternehmen die Frage auf, ob ein eigener Onlineshop lohnt bzw. ein Webshop ein geeigneter Vertriebsweg ist? Auf diese Fragen gibt es natürlich keine pauschalen Antworten. Ob eine Onlineshop zur Steigerung von Absatz  und  Gewinn beiträgt,  hängt von den Rahmenbedingungen des einzelnen Handelsbetriebes ab. Bei der Planung eines Onlineshops sollten Sie im Vorfeld nachfolgende Kriterien für Ihr  Unternehmen klären:

Prioritäten – Ladenlokal oder Versand?

Betreiben Sie ein Geschäft in einer gut frequentierten Einkaufsstraße, erübrigt sich häufig die Frage nach anderen Vertriebswegen, da Sie ausreichend Laufkundeschaft generieren. Anders sieht es aus, wenn Sie ein Ladenlokal in dezentraler Lage betreiben. Hier kann der Versand eine wichtige Ergänzung für Ihr Geschäft sein und Ihr Einzugsgebiet erweitern.

Versandfähige Waren und Marge

Verkaufen Sie Waren von geringem Preis oder geringer Marge, steht der Aufwand für den Versand häufig in ungünstigem Verhältnis zum erzielbaren Umsatz. Problematisch ist auch der Versand von Frischwaren, zerbrechlichen oder sperrigen Gütern. Hier muss der Händler mit spezialisierten Speditionen zusammen arbeiten, was den Aufwand für den Versand beträchtlich erhöhen kann. Auch erklärungsbedürftige Produkte können über einen Onlineshop häufig nicht ausreichend präsentiert werden. Hier fällt ggf. zusätzlicher Aufwand für Support an, sofern ein Support über Telefon und Email überhaupt ausreicht.

Kapazitäten für Warenlager, Versand und Support

Sie werden Personal für Kundenservice und Support sowie Warenlager und Versand benötigen. Sie müssen Bestellungen zeitnah bearbeiten. Die Lieferzeit ist heute ein wesentlicher Faktor, um gegen Wettbewerber zu bestehen. Bestellte Waren sollten innerhalb von 1 bis maximal 3 Werktagen versendet werden. Beschwerdemanagement und Support sind ebenfalls von hoher Priorität. Auf eingehende Fragen sollten Sie innerhalb eines Werktages reagieren. Am besten hierzu mehrere Möglichkeiten anbieten, wie Email, Telefonhotline, Lifechat etc. Auch für die Rücknahme von Waren müssen Sie Lagerkapazitäten und Personal einplanen.

Sollten Ihre Kapazitäten nicht ausreichen, gibt es Dienstleister, die Warenhaltung, Versand bis hin zum Support für Sie übernehmen. Das lohnt allerdings nur, wenn die Marge auf Ihre Waren diese zusätzlichen Kosten mit abdecken kann.

Wettbewerber im Internet

Vertreiben Sie Waren, die auch von den Großen der Branche – Amazon, Otto.de und vielen mehr angeboten werden, minimieren sich Ihre Umsatzaussichten. Denn den Marketingaufwand, den die Großen stämmen, ist für kleine und mittlere Unternehmen niemals leistbar. Sie werden nie das Preisniveau, die Lieferzeiten und den Support dieser Anbieter toppen können. Anders sieht es für Produkte jenseits der Massenproduktion aus. Diese sind für die Großen oft unattraktiv, für einen kleinen Händler aber ggf. eine gute Alternative für den Einstieg in den Internethandel (s. dazu den Punkt Nischenprodukte).

Zielgruppe

Natürlich gilt, wie bei allen Geschäften, auch im Internet die Frage: Wie intensiv nutzt meine Zielgruppe das Internet für ihren Einkauf? Verkaufen Sie beispielsweise Produkte für Senioren ist es schwierig, ausreichend Kundschaft über das Internet zu gewinnen. Senioren, auch wenn die Tendenzen steigend sind, nutzen gegenüber anderen Altersgruppen verhältnismäßig wenig das Internet. Richten Sie sich an Zielgruppen zwischen 18 und ca. 60 Jahren, stehen die Chancen schon besser. Auch gibt es Unterschiede in der Internetnutzung zwischen den Geschlechtern. Frauen sind beispielsweise beim Internetkauf zögerlicher als Männer.

Nischenprodukte

Vertreiben sie spezielle, seltene und ausgefallene Waren? Dinge, für die es nur eingeschränkt Interessenten gibt? Dann kann das Internet ein optimaler Marktplatz für Sie werden. Vorrausgesetzt Sie betreiben ein gutes Suchmaschinemarketing, werden Sie die wenigen Liebhaber unter den Millionen von Webnutzern mit ihrem Webshop erreichen.

Anzahl der Waren im Onlineshop

Gehen wir davon aus, dass Ihre Kapzitäten ausreichen, die Waren für den Onlinehandel geeignet sind und die Wettbewerbersituation für Ihre Produkte entspannt ist. Dann stellt sich die Frage, ob der Aufwand für den Betrieb eines Onlineshops durch das Warenaufkommen aufgefangen wird. Sie sollten schon mindestens 50 Artikel anbieten, damit sich die Einrichtung und Unterhaltung annähernd lohnen.

Aufwand für Einrichtung, Betrieb und Vermarktung des Onlineshops

Neben den schon angesprochenden Aufwendungen für Lagerhaltung, Versand und Support entstehen Ihnen weitere Aufwendungen. Der Onlineshop muss eingerichtet, gepflegt und vermarktet werden:

  • Konzeption für den Shop (Webdesign, Produktdarstellung, technische Funktionen, Hosting, Onlinemarketing)
  • Installation des Shops und Shopdesign
  • Anfertigung der Produktfotos (professionelle Fotos sind ein Muss) und Produktbeschreibungen
  • Einstellen der Artikel und Versandoptionen
  • Onlinemarketing (Suchmaschineoptimierung, Suchmaschineanzeigen, Afilliate-Marketing etc.)

Neben der Wahl des Shopsystem (s. Punkt Shopsystem) und dessen Installation sowie der Einpflege der Produkte ist vor allem das Onlinemarketing entscheidend. Der beste Onlineshop wird Ihnen nichts nützen, wenn man nicht auf Ihre Artikel über Suchmaschinen, Onlineanzeigen etc. aufmerksam wird (s. Punkt Onlinemarketing). Planen Sie für die Grundeinrichtung eines Onlineshops ein ausreichendes Budget ein. Weiterhin fallen Kosten für den laufenden Betrieb an, wie Hostigkosten (Servermiete je nach benötigter Serverleistung, bestimmt von der Produktanzahl und dem verwendeten Shopsystem) und Pflegekosten (Anfertigung neuer Fotos, Aktualisierung der Produktkatalogs etc.).

Die Kosten, um einen Webshop mit ca. 50 bis 100 Artikeln online zu bringen, belaufen sich nicht selten zwischen 5000 und 10 000 Euro. Dazu kommen laufende Kosten für Pflege, Hosting und Marketing. Geht man davon aus, dass Sie einen Hostserver mieten, etwa 10 neue Produkte (mit angefertigten Fotografien) pro Monat einstellen und Suchmaschinenanzeigen schalten (z. B. Google AdWords), können schnell Kosten zwischen 500 und 1500 Euro monatlich für den laufenden Betrieb (zzgl. Versand, Warenhaltung und Support) zusammen kommen. Das hängt auch davon ab, welcher Pflege- und Marketingaufwand im Einzelfall betrieben werden muss.

Shopsystem

Bei der Wahl eines System haben Sie die Option zwischen einer lizenzfreien OpenSource-Lösung oder einem gebührenpflichtigen System. Da OpenSource-Systeme von einer großen Programmierergemeinschaft entwickelt werden, stehen sie lizenzgebührenfrei zur Verfügung und können von Jedermann verwendet und angepasst werden. Allerdings wird auch niemand für Systemmängel und Ausfälle haften. Anders ist das bei lizenzgebührenpflichtiger Shopsoftware, wo die Hersteller Gewährleistung einräumen.

Dennoch entscheiden sich viele Shopbetreiber für OpenSource-Systeme, nicht nur wegen der geringeren Investitionskosten, sondern auch wegen dem immer aktuellen technischen Entwicklungstand und der Verbreitung in der Praxis. Aktuell sind drei erwähnenswerte OpenSource-Lösungen verbreitet:

Ohne im Detail auf diese Systeme einzugehen, kann man sagen, dass sie einen soliden technischen Entwicklungsstand aufweisen und einen verlässlichen Shopbetrieb ermöglichen. Sie bieten umfangreiche Funktionen für die Präsentation von Produkten, Einstellen von Versandoptionen, Kundenbewertungen, Zahlungsfunktionen, Vermarktungsoptionen und Schnittstellen zu Warenwirtschaftssystemen. Letztere sind wichtig, um Ihren Onlineshop mit Ihrer Warenverwaltung abzugleichen.

Onlinemarketing

Wie bereits erwähnt, ohne wirksame Vermarktungsmaßnahmen nutzt Ihnen der beste Onlineshop nichts. Entscheidend ist, dass kaufwillige Kunden Ihren Shop über Suchmaschinen und andere Onlinekanäle finden. Hiebei sind besonders diese Maßnahmen wichtig:

  • Optimierung Ihres Shops und Artikelbeschreibungen auf gesuchte Warenbezeichnungen (Suchmaschinenoptimierung)
  • Suchmaschinenanzeigen und Keywordmarketing z. B. GoogleAdwords
  • Afilliatemarketing (Schaltung von Anzeigen und Bannern auf Portalen Dritter gegen Provision)
  • Indizierung durch Preissuchmaschinen (auf entsprechende Schnittstellen für Preissuchmaschinen in ihrem Shopsystem achten)
  • Social Media-Marketing (Aktivitäten in Facebook, Twitter & Co.)
  • OnlinePR (Presseartikel in Onlineportalen wie OpenPR u.ä.)

Shop-in-Shop statt eigenes Shopsystem

Stellen Sie nach Prüfung aller Kriterien fest, dass sich der Betrieb eines eigenen Shops für Sie nicht lohnen wird, haben Sie noch die Möglichkeit, Waren auf Portalen Dritter anzubieten. Bekannt sind vor allem Ebay und Amazon. Solche Shop-in-Shop-Plattformen ermöglichen kleinen Händlern eigene Shops zu eröffnen und dort eine begrenzte Anzahl von Waren einzustellen. Die Verkäufer profitieren von dem Kundenzulauf dieser Portale und müssen kein eigenes System unterhalten. Dafür wird pro verkauftem Artikel eine mehr oder minder hohe Provision fällig, die dem Betreiber zu zahlen ist. Auch ist die Wettbewerberdichte auf solchen Shopportalen häufig hoch und es bedarf auch hier einigen Aufwands, um sich ansprechend zu präsentieren und über wichtige Suchworte (Keywords) gefunden zu werden.

Für den Einstieg in den Onlinehandel, zum Testen der Möglichkeiten und des Kundenzuspruchs oder bei Artikelaufkommen unter 50, auf jeden Fall eine Option für Händler.

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